Die Vereinsgeschichte

Ein Fußballverein stellt sich vor

Als unsere Vorfahren in dieser Region die Braunkohle im Tunnel- oder auch Kuhlenbau genannt förderten und die Kohle per Hand zu Brikett „Klütten“ formten, ließ ein gewisser Bergrat Karl Gruhl südlich des Ortes Heide im Jahre 1889 eine Brikettfabrik errichten, die den Namen „Gruhlwerk“ erhielt.

In jener Zeit ließen sich Arbeiter und Fachkräfte aus Sachsen und Bayern hier nieder. Der gemeinsame Arbeitsplatz, das Bedürfnis junger Menschen, vereint die Freizeit zu gestalten, nicht zuletzt aber die Tatsache, daß „Gruhlwerker“ aus Mittel- und Süddeutschland bereits in ihrer Geburtsheimat Bekanntschaft mit dem „runden Leder“ gemacht hatten, trug im Wesentlichen dazu bei, daß im Jahre 1911 der F.C. Viktoria Gruhlwerk gegründet wurde.

Als Zeichen der engen Verbundenheit mit ihrem Beruf, wählten die Gründer die Farben des Bergbaus schwarz / gelb als ihre Vereinsfarbe. Einen Fußballplatz, den gab es noch nicht.

Zunächst wurde eine Fläche hinter der Herrmann – Gruhl – Straße, genannt „auf der Wies“ zugesprochen. Später stand ein unebenes Gelände an der Roddergrube zur Verfügung. Im Jahre 1914 wurde mit viel Arbeitsaufwand ein unzugängliches Grubenfeld, das heute noch unter dem Namen „Hagens Kuhl“ bekannt ist, als Sportplatz hergerichtet. Das 1. Spiel wurde aber bereits 1911 gegen Fortuna Liblar ausgetragen. Ein zweites Spiel fand gegen Preußen Nippes statt. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur wenige Fußballvereine, so dass bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges ein „wilder“ Spielbetrieb unterhalten wurde. Die Schattenseiten des Krieges machten auch vor dem Verein nicht halt. Nicht nur, daß die Mehrzahl der Aktiven in den Krieg 1914 – 1918 ziehen mussten, sondern auch der Soldatentod von sechs Vereinskameraden war zu beklagen. Unter ihnen der 1. Vorsitzende Richard Pohl.

Bereits im Jahre 1919 wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen. In den Jahren 1920 bis 1925, die 1. Mannschaft spielte in der C – Klasse, waren die Vereine aus Brüggen, Balkhausen, Liblar und Gymnich die Rivalen der Viktorianer. Sowohl die politischen wirren als auch Unstimmigkeiten bei den Verantwortlichen führten den Verein im Jahre 1928 in eine gefährliche Krise. Die Mitglieder trennten sich in die Vereine Viktoria und Rot/Weiß Heide. Etwa zur gleichen Zeit erfolgte die Gründung einer Fußballabteilung der DJK Arminia Heide. Diese nunmehr drei Vereine waren auf Dauer nicht existenzfähig. Schon im Jahre 1931 sahen sich die Konkurrenzvereine gezwungen, den Spielbetrieb einzustellen. Ein Vereinsbeschluss zur Rückkehr
in den Westdeutschen Spielverband ( WSV ) konnte nach langen und zähen
Verhandlungen der damaligen Vorstandsmitglieder Schlengermann, Gruber und Bialy verwirklicht werden. Neben dem Vereinswirt Bernhard Besselmann waren es einige Gönner die dem Verein über die finanziellen Schwierigkeiten hinweghalfen, denn der Kassenbestand betrug 13 Reichsmark.

Und doch war dies ein Neuanfang!

Innerhalb von drei aufeinander folgenden Jahren wurde die Viktoria Gruppensieger und somit Aufsteiger. So konnten im Jahre 1934 sieben Mannschaften an Punktespielen teilnehmen.

Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde der Spielbetrieb fast völlig eingestellt. Zu beklagen waren 37 Vereinskameraden, darunter fast die gesamte 1. Mannschaft, die den Tod fanden oder als vermisst galten.

Unmittelbar nach Kriegsende, im August 1945, wurde aus dem Nichts wieder mit dem Spielbetrieb begonnen und unter dem Namen „Gruppe Vorgebirge“. 1946 wurde dieVorgebirgsmeisterschaft errungen. Durch die Umbenennung der Gruppe Vorgebirge in den Rheinbezirk des Westdeutschen Fußballverbandes erfolgte in der Spielzeit 1947 / 1948 der Aufstieg in die Bezirksliga.

Auch zur damaligen Zeit hatten die Gruhlwerker Spielerabgänge zu beklagen. Einige Spieler betätigten sich mit Erfolg in größeren Vereinen, ja sogar als Vertragsspieler. In diesen, wieder einmal schwierigen Zeiten, musste die Geburtsstätte des F.C. Viktoria Gruhlwerk , Hermann-Gruhl-Straße, Grubenstraße und Ida-Gruhl-Straße der Kohle weichen. Viele Mitglieder siedelten in den nördlichen Teil des Braunkohlereviers.

 

Weil das Vereinslokal, die Gaststätte Besselmann, im Krieg völlig zerstört wurde, war man auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Hier ist es dem 1. Vorsitzenden Theo Schneider zu verdanken, dass sein Vorhaben, eine eigene Unterkunft für Spieler und Vereinsjugend zu schaffen, Wirklichkeit wurde. Nach mühevollen Verhandlungen mit der Werksleitung der Rheinbraun unter Beachtung des Naturschutzgesetzes wurde ein Bauplatz des Kloster Benden zur Verfügung gestellt. Am 10. April 1954 erfolgte der erste Spatenstich.
Dank der Verbundenheit mit dem Verein, der Einsatzbereitschaft der Mitglieder, der Hilfsbereitschaft einzelner Behörden ist es gelungen, dass in kürzester Zeit ein Haus mit ansprechender Außenanlage geschaffen und im Jahre 1955 seiner Bestimmung übergeben wurde. Ein Werk, getragen von beispielhaftem Idealismus und aufopfernder Arbeit.

In den Jahren 1956 bis 1959 nahmen acht Mannschaften an Meisterschaftsspielen teil und im Spieljahr 1959/1960 stieg die Mannschaft in Landesliga auf. Die Erfolge auf dem sportlichen Sektor waren in den folgenden Jahren sehr wechselhaft. Doch die Vereinsarbeit ruhte nie!

Unter dem 1. Vorsitzenden Erwin Weber erfolgte 1976 ein Erweiterungsbau des
Clubheimes. Um dem steigenden Anspruchdenken der aktiven Mitglieder gerecht zu werden, waren in den Folgejahren weitere Aktivitäten an und vor allem im Hause unumgänglich. Hohe Instandhaltungskosten hatte der Verein zu verzeichnen. Neben der ohnehin erschwerten Arbeit im Sportbetrieb kamen im zunehmenden Maße geschäftliches Denken und Handeln hinzu.
Dieser Tatsache muss noch heute jeder Vorstand Rechnung tragen.

Seit Erringen der Kreismeisterschaft und Aufstieg in die Bezirksklasse im Jahre 1984 mit dem geschätzten Trainer Carlo Papp begann die Talfahrt der 1. Mannschaft bis hin in die Kreisliga C. Weder eine zweite Mannschaft noch eine Alte Herrenmannschaft oder Traditionsmannschaft, Mannschaften über die der Verein über Jahrzehnte verfügte, gibt es nicht mehr. An dieser Stelle darf mit vollem Stolz erwähnt werden, dass die Gruhlwerker als erster Verein eine Damenfußballmannschaft im Jahre 1969 gründeten. Die Damen um ihren Trainer Max Würz konnten in ihrem siebenjährigen Bestehen auf recht beachtliche Erfolge zurückblicken. Sie sind auch die Vorreiter im Bereich des Damenfußballs im Landkreis Köln.

Doch was wäre ein Verein ohne die Jugend. 

Das Aushängeschild eines jeden Vereins ist und bleibt seine Jugendabteilung.
So dachten auch die Gründer seit 1911. Man schrieb damals schon die Förderung der Jugend sehr groß und setzte somit manchen Meilenstein zum Erfolg. Wenn in den letzten Jahrzehnten um Meisterschaf und Pokal gespielt wurde, tauchte immer der Name Gruhlwerk auf. Um eine Jugend einen Zeitraum von über 90 Jahren aufrecht zu erhalten, bedurfte es guter und solider
Arbeit. Erst wer selbst einmal in diese verantwortungsvolle Aufgabe eingestiegen war, merkte bald, dass eine Menge Pflichten mit dieser Tätigkeit eines Jugendleiters oder Jugendbetreuers verbunden waren. Es galt nicht nur das Maß an Arbeit zu bewältigen, es ging auch darum, für eine vielseitige Betreuung der Jugendlichen zu sorgen, sie für sportliche aber auch menschliche Aufgaben zu begeistern, zwischenmenschliche Kontakte zu suchen und zu pflegen, um so einen kameradschaftlichen Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft zu schaffen.

All diese Aufgaben erfüllten in den Jahren seit Bestehen des Vereins
Jugendleiter, Jugendbetreuer und qualifizierte Trainer zu gleichen Teilen.
Das Erbe, das wir von unseren Vorfahren übernommen haben, heißt
zu bewahren und weiter auszubauen.

Der Verein lebt – und jeder ist stolz ein Mitglied des F.C. Viktoria Gruhlwerk zu sein.

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